Herma Walter:

Mein Weg zur Kunst

fabricando fabricamur
etwas gestaltend, werden wir gestaltet

             

 

 

In dem Bewusstsein, dass die ersten Lebensjahre außerordentlich bedeutsam sind für
die spätere Entwicklung eines Menschen, beginne ich diesen individuellen Rückblick
auf meinen Weg zur Kunst mit einer Würdigung meiner Mutter und ihrer Schwester:

Meine Mutter, Johanna Denkena-van Ophuysen, zog mit uns Kindern,
Staffelei und Farben an den Deich der Leda (Ostfriesland), malte Bilder "mit viel Himmel"
und wir Kinder spielten und versuchten, Aale zu fangen.

Meine Mutter:


J. Sjollema,Groningen1934  
Portrait Johanna v.Ophuysen;


Johanna Denkena, geb. v. Ophuysen, Selbstbildnis; 1958


B. Kowadlo, Amsterdam, 1936 Fotoportrait Johanna Denkena

        

 

 

 

Meine kinderlose Tante in Holland, Frau Anna Beekman-van Ophuysen,
lud mich (so wie alle ihre Nichten und Neffen) in den Ferien ein,
gab mir Leinwand und Farben und ging mit mir in den Wald oder in den Garten
und vor den Spiegel und wir begutachteten ihre und meine "Werke".

Anna Beekman: Selbstbildnis,

Anna Beekman: Selbstbildnis (Ausschnitt)

Ich sammelte die Blätter des Kunstkalenders "Hyperion" meiner Mutter
(vorwiegend Skizzen alter Meister), katalogisierte sie und kopierte viele.
Meine Tante, Anna Beekman-van Ophuysen führte mich in die Museen
ihres Landes (Nederlande) und schenkte mir ein Katalogwerk.
Meine Mutter nahm mich mit zu Kunstausstellungen, vor allem zu denen
des von ihr und dann auch mir sehr verehrten Paul Klee.

Die Musik, die meinem Vater sehr wichtig war, konnte nicht Lebensmittelpunkt werden, da mein ältester Bruder nach einer Hirnhautentzündung ertaubt war, und er sich beim häuslichen Musizieren nicht ausgeschlossen fühlen sollte.
So besuchte ich zusammen mit meinem gehörlosen Bruder etliche Volkshochschulkurse in Ravensburg bei Herrn Kalbfell und ich gestand neidlos zu, daß mein Bruder zu besseren Ergebnissen im bildnerischen Gestalten kam als ich.

Zum Abschluß des von mir nach einem Semester Psychologie/ Philosophie in Tübingen zunächst als "studium generale"gedachten Studiums an der Päd. Hochschule Reutlingen und nach einigen Holzdruck-Workshops bei Prof. Grimm, arbeitete ich bei Prof. Dr. Gaiser über den Stellenwert von Kitsch und Kunst in der kindlichen Entwicklung.

In meiner ersten Stelle als Lehrerin an einer Grundschule konnte ich
vorwiegend Kunst unterrichten, und ich präsentierte gerne die Arbeiten der Schulkinder.

 

Die Aufgabe, meine eigenen Kinder zu begleiten, ergriff ich freudig. Die Frage, ob Beruf oder Familie meinen Lebensweg bestimmen sollte, beantwortete sich für mich durch zwei Bilder,die ganz nebenbei
am Schreibtisch entstanden, als Ausprobieren neuer Stifte.

 

                

 

Sie zeigten mir, daß die Hände, wenn sie unkontrolliert durch irgendein Wollen,
aber in höchster Konzentration auf das gestalterische Geschehen tätig sind,
als Übermittler innerer Wahrheiten wirken können.
Mir dienten diese zwei Bilder als Entscheidungshilfe und ich legte den Schwerpunkt
meines weiteren Lebens auf die Fürsorge für meinen Mann, unseren Sohn und unsere Tochter.

Gerne fotografierte ich. 

Mein Vater war es,
der mich für die Fotografie
begeistert hatte.
Er arbeitete mit Silberbromid-Platten
und machte vor allem ruhige
Landschaftsaufnahmen.                       


Julius Denkena, Am Fehntjer Tief                       

Mein Mann richtete mir eine Dunkelkammer ein. 
Jetzt konnte ich meine Schwarz-Weiß-Fotos selber entwickeln, vergrößern, Abzüge, Ausschnitte machen.

Auch dabei lernte ich "SEHEN".
            

Tübingen Neckar

                   

                                             Paris Tuillerien

Natürlich machte ich die meisten Bilder von meiner Familie, die mein sehr geliebter Lebensmittelpunkt war.

     
"Die Predigt meines Ältesten im Alter von 3 Wochen"

s
 Großtante raucht


Urgroßmutter trinkt

  
Glück zu Weihnachten

Aus Pappmaschee formte ich Köpfe und fotografierte sie:

   

 

Bei einer Tagung der Waldorfschulen 1976 in Stuttgart, die meine beruflichen und privaten Fragen aus der Sicht der Anthroposophie beleuchtete, und die bei mir etliche Einseitigkeiten, in die ich durch das damals sehr verkopfte Pädagogikstudium geraten war, ausgleichen konnte, hatte ich unter Leitung von Herrn Tittmann beim Arbeiten mit Kohle wieder das Erlebnis, daß das, was meine Hände da mit dieser neuen Technik (Kohle: Aus Grau wird Schwarz und Weiß) hervorbrachten, sehr viel mit mir zu tun hatte.

                            

                               Metamorphose

Eine Bleistiftzeichnung, wieder "ohne Wollen" entstanden, (stehend, mich wärmend, das Papier auf unserem warmen Kaminofen) zeigte mir, daß in mir viel Trauer war über den Verlust der Gebärmutter. (Vordergründig schien ich diesen ganz gelassen hinzunehmen.)

                   

Übrigens scheint mir, daß der Verlust der Gebärmutter mir zwar die den Frauen eigene Form der „Kreativität“ nahm, daß in mir aber erst dadurch die Kräfte zu der Steigerung der künstlerischen Kreativität freigesetzt wurden.

Viele Übungen folgten. In den Bildern zeigte sich meine (von meinem Vater geerbte) Liebe zur Schönheit von mathematischen Kurven, die ich auch in der Natur wiederfand.

Ich versuchte, in den Bildern sowohl Spannung als auch Harmonie zu realisieren, (ein Bemühen, das sich sicher auch in der Gestaltung meiner Lebenswelt ausdrückte)

                                  

 

Viel Freude machten mir meine "Keimbilder“. Ich begann diese fast immer mit einer kleinen runden Form etwa in der Mitte des Bildes, die dann umfangen wurde und „wuchs“. Leider verwirklichte ich damals nicht die Idee, dieses Wachsen der Bilder durch Aufnahmen zu dokumentieren. In der Farbgebung war ich damals wohl noch recht unbeholfen und in der Formgebung war ich sehr streng und kontrolliert. Aber ich war vom Ergebnis damals so angetan, dass ich diese Bilder erstmals rahmte, in unseren Räumen an die Wände hängte und gerne damit leben konnte.

Ein 2-semestriger Kurs bei dem
Tübinger Aquarellmaler Hans Köhler machte
mich etwas sensibler auf Farbe,
interessierte mich aber nur in seinen
abstrakten Übungen, nicht in seinen
Bemühungen, eine im Dia festgehaltene
Gegebenheit abzubilden. Mein Suchen galt
weiterhin dem Sichtbarwerden eines
sonst unzugänglichen Innen. Was
der Lehrer als farbliche Fingerübung
bezeichnete, die er im Dienst einer
Wiedergabe des Außen zu machen empfahl,
war für mich Ziel und geeignet, in seiner
Konzentration auf das Gestalterische
und in der Freiheit von jedem
Darstellungsdrang ein Tor zur
Innenwahrnehmung zu öffnen.

Sitzend auf dem breiten Fensterbrett unseres
(gemieteten) Hauses, mit herrlich weitem Blick
über die Landschaft, ergriff ich das auf dem danebenstehenden Schreibtisch liegende
Konzeptpapier und einen x-beliebigen Stift
und bedeckte das Papier mit schnellen
unreflektierten Linien.

Im Laufe der weiteren Übungen, mit Hilfe von Linien meinem Inneren näherzukommen, kristallisierten sich Kürzel heraus:
u. a. das Auge ( Erkennen), die Hand (Tätigsein), der Busen (Liebe), die Verbindung nach oben (religio), der Versuch, das verbindende Band zu greifen ( Gesellschaft), usw., die ich in meinem Alltag wiederfand.

      

Diese Bilder waren eigentlich nur Erkennungs-, und damit Lebenshilfen und es war überhaupt nicht beabsichtigt, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Aber es wuchs die Einsicht: Meine eigenen Bemühungen sind denen meiner Mitmenschen sehr ähnlich.
Und: „Geistige Offenbarungen“ sind nicht Eigentum Einzelner, sondern sollten allen Menschen zugänglich und damit evtl. hilfreich sein, sollten mitarbeiten am „Gewebe der Zeit"

Nachdem mit der Zeit die Verpflichtungen der (durch einen Pflegesohn erweiterten) Familie
gegenüber geringer wurden und ich mehr Freiräume erhielt, suchte ich die Gemeinschaft
mit anderen künstlerisch schaffenden Menschen

 

Bei einer 10-tägigen Arbeitstagung in der Ebersberger Sägmühle bei Oberrot, die von Susanne Gerber organisiert und durch philosophische Gespräche erweitert wurde, fand ich solch eine Gemeinschaft in idealer Weise.

 

 

Es entstanden u.a. unter der einfühlsamen Begleitung durch Heiner Knopf einige Eisenplastiken, die mir wieder zeigten: 

 

 

 

 


 

 


Wenn man sich ganz dem Spiel mit den bildnerischen Mitteln hingibt, begegnet man seiner eigenen inneren
Situation, kann sie von außen anschauen und "begreifen".

Leider konnte diese Arbeitstagung im folgenden Jahr nicht fortgesetzt werden,
da sich zu wenige Interessenten fanden.

Bei der Suche nach Möglichkeiten, mit anderen künstlerisch interessierten Menschen zusammenzuarbeiten,
stieß ich auf die Schwäbisch Haller Akademie der Künste und arbeitete dort mehrere Semester lang sehr intensiv.

Ich wurde stark beeinflusst von Michael Klenk, der meine Malweise in seiner Aktmalerei-Klasse in völlig neue Bahnen lenkte. Die Linienführung wurde tastend, suchend, das Auftragen von Farbe
mit der ganzen Hand befreite und ermöglichte freudiges Entdecken von Zufallsergebnissen. Die Forderung, sehr schnell zu arbeiten, hielt die Bilder in einem frischen unreflektierten Zustand und forderte höchste Konzentration auf das augenblickliche Geschehen auf dem Papier.
Und schließlich erweckte die Aufforderung, die eigenen oder auch fremde Bilder rücksichtslos und doch feinfühlig zu übermalen, ein selbstbewußtes Umgehen mit dem, was schon ist und dem, was nun sein soll, was in meiner damaligen Situation sehr hilfreich war.

(Die Delikatesse der Farben, die sich bei dieser Technik "zufällig" ergeben, ist nur wahrnehmbar, wenn man sich den Bildern stark nähert. 
Deshalb zeige ich zu vielen meiner Bilder auch vergrößerte Bildausschnitte.)

               

                 

Werner Mönch  lehrte die Farbe. Gerne erkundete ich das Malen mit Eitempera und Tusche. Frei in der Themenwahl konnte ich bei ihm meine eigene intuitive Malweise mit der bei ihm gelernten Farbsensibilität verbinden. Er war es, der mir Hilfestellung gab bei meiner ersten Ausstellung außerhalb der Akademie (zusammen mit Peter Kurpiers und Beate Rauch.)

               

 

 

Peter Guth, wie Michael Klenk Schüler von Schoofs, lehrte Holzschnitt und -druck. Er vermittelte einen freien und sensiblen Umgang mit dem Sujet und eine akkurate Technik.

Gerne hätte ich auf dem von ihm gewiesenen Pfad weitergearbeitet, wäre da nicht der Geruch der Druckfarben, den ich nur mit Widerwillen ertragen konnte

 

 

 

Franz Raßl war geduldiger und hilfreicher Begleiter bei der Erstellung von Gipsplastiken.

 

 

Wolfgang Bier und Gerda Bier unterrichteten leider nur kurze Zeit an der Akademie. Als große Vorbilder  in ihrem Kunstschaffen habe ich sie aber sehr gerne wahrgenommen.

 

             

 

Neben der Arbeit in der Akademie entstanden weitere Bilder :

                               

                                  

Eine fruchtbare Zeit also, und doch musste ich in dieser Zeit auch lernen, daß Neid und Mißgunst die Szene der Kunstschaffenden vergiftet, dass (sicher notwendiges) kommerzielles Denken Seilschaften (vornehmlich männliche) entstehen läßt, und daß der Drang, wahrgenommen zu werden, über die Maßen groß ist.

Ich erfuhr, daß in meinem Geschlecht und in meinem Alter nur sehr schwer ein Weg in die öffentliche Anerkennung führen würde: Ein von einer Bank finanzierter Kalender zeigte nur die Arbeiten meiner jungen Kommilitonen, in dem richtigen und nachvollziehbaren Bemühen, den jungen Leuten am Beginn ihres Berufslebens den Weg zu ebnen. Diesen Kalender, der von der Bank verschenkt wurde, nahm ich gerne und "verarbeitete" ihn in einer Collage. Meine Enttäuschung, noch "bereichert" durch belastende Erfahrungen im Privatleben, läßt sich gut ablesen in dem Bild "Trauer". Richtig erleichtert fühlte ich mich aber erst, als auch das Bild "Wut" entstanden war.         

                           

Ich erwog, eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin zu machen, verwarf diesen Gedanken aber wieder, als ich hörte, dass es ein Überangebot an Kunsttherapeuten gab.

Die erwachsenen Kinder verließen das Haus und ich konnte mir ein Atelier einrichten, in das ich mich jederzeit zurückziehen und in dem mein Arbeitsmaterial griffbereit liegenbleiben konnte.

Nun entstanden Bilder aus meinem geliebten familiären Umfeld  und, wenn erforderlich, auch wieder Innenwahrnehmungen, die klärend wirken konnten.

 

               

Auch auf alte Ausdrucksformen griff ich zurück:

Als im Mai 1997 in Schwäbisch Hall auf Initiative von Professor Wolfgang Bier und Michael Klenk  
der Kunstverein Schwäbisch Hall  gegründet wurde, wurde ich gebeten, als Schriftführerin
bei der Gründung mitzuhelfen. Gerne half ich, auch weiterhin.  Leider wurde Wolfgang Bier schon 2 Jahre nach der  Vereinsgründung sehr  krank und starb bald darauf.. 
Ich bedauerte es sehr, daß er sein gutes Gespür für künstlerische Qualität 
nicht mehr in die Vereinsarbeit einbringen konnte. 

Ich erlebe seitdem den anregenden und mühsamen Hintergrund für die Präsentation von
zeitgenössischer Kunst und lerne Künstler mit den verschiedensten Ausdrucksformen kennen.
Diese Tätigkeit ermöglicht es mir in noch gesteigerter Form, die Gegenwart aus dem Blickwinkel
künstlerischen Tuns wahrzunehmen. Mein eigener Zugang zum Zeitgeschehen, zu Hintergründen
und Entwicklungen wird damit erweitert und vor Verhärtungen bewahrt.

Ich blieb weitere 6 Jahre im Vorstand und  wechselte später, nachdem ich 
eine Nachfolgerin für das Amt der Schriftführerin gefunden hatte, in den Beirat. 

2002 mußten wir wegen Finanzknappheit der Stadt aus unserer Hirtenscheuer in die ehemals städtische "Galerie am Markt", umziehen.

Sehr gerne begleitete ich dort als Kuratorin eine Ausstellung von Peter Guth, (dessen herausragende Größe mir bei einem Besuch seiner Ausstellung 
im Museum Schoß  Moyland 1998 noch bewusster geworden war). Diese Ausstellung war von uns noch geplant für unseren alten Vereinsraum, die Hirtenscheuer, die wir liebevoll hergerichtet hatten und nun verlassen mußten. Peter Guth nahm natürlich auf den neuen Raum Bezug. Er zeigte unter dem Titel "Zeit-Räume" im Erdgeschoss eine alte Holzsäule, die vor Jahren gegen eine neue Säule ausgetauscht worden war und die er nun neben ihren alten Steinsockel, neben die neue Säule legte. In einem früheren Werk hatte Peter Guth mit dieser Säule als "Enkidu" (aus dem Gilgamesch-Epos) ebenfalls das Thema Tod und Leben reflektiert.
Im oberen Raum präsentierte Peter Guth auf 7 Stehpulten 7 Exemplare seines Buches "Ottilie 1915-1992, Grabkreuzdrucke", jedes ein Original und handgedruckt und mit vielen verschiedenen Ansichten und Kombinationen von Ausschnitten eines einfachen Holzkreuzes. Dieses stand einst auf dem Grab einer ihm unbekannten Frau, von der nur der Name und die Lebenszeit auf dem Grabkreuz zu lesen waren. (Ottilie ist auch der Name einer Heiligen, die, blind geboren, "sehend" geworden war.) Besucher der Ausstellung durften (mit weißen Handschuhen) die Bücher aufschlagen und so sieben selbstgewählte  Positionen in einem Raum wahrnehmen. Dass der letzte Druck in seinen Büchern einen neuen Innenraum darstellt, konnte einen aufmerksamen Betrachter mit Hoffnung erfüllen(!)
Eberhard Reusch, Herausgeber des "Journal für Philosophie der blaue reiter" kannte Beate Rygiert und ihre Erzählung "Das Zentrum der Zeit" von 1995. Er hatte seinem Freund Peter Guth vorgeschlagen, diese Holzdrucke auch in einem Band zusammen mit dieser Erzählung von Beate Rygiert herauszugeben. So gab es nun neben einer handgedruckten Vorzugsausgabe, die nur die Holzdrucke enthielt (Auflage 20 Exemplare) eine weitere Ausgabe, in der die Drucke zusammen mit einem Text von Beate Rygiert erschienen. (Auflage 400 Exemplare). Eine Lesung mit Beate Rygiert bereicherte diese Ausstellung, ebenso ein Gespräch Peter Guths mit Eberhard Reusch und Otto Pannewitz, seinem langjährigen Freund und Leiter der Galerie der Stadt Sindelfingen. Auch zu einem Atelier-Besuch im  Ellwanger Schloß lud Peter Guth ein und wir konnten einen Eindruck gewinnen von seiner Schaffenskraft und von seinem Wirken als Lehrer am Gymnasium und als Organisator des Ellwanger Kunstvereins, den er rettete und zu überregionaler Beachtung führte. Sehr gerne war ich für diese seine Ausstellung in der Galerie am Markt in Schwäbisch Hall  verantwortlich und veranlaßte auch, daß die Büro-Tätigkeit des Kunstvereins aus dem Ausstellungsraum in den kleinen Nebenraum verlegt wurde, eine Maßnahme, die auch folgenden Ausstellungen zugute kam.

Ich erzähle deshalb so breit von dieser Ausstellung, weil Peter Guth schon 4 Jahre nach dieser Ausstellung, noch bevor er 50 Jahre alt wurde, an einem Hirntumor starb.- Ein Verlust, den sehr sehr viele Menschen beklagten! (Er selber ging sehr gefaßt. Er hatte sich ja in seiner Kunst mit dem Thema Tod immer wieder auseinandergesetzt.)

Als wir nach einer größeren Pause nun auch in unserer Galerie am Markt die Arbeiten der Künstler, die Mitglieder unseres Vereins sind,  zeigen wollten, übernahm ich die Aufgabe, das zu organisieren. (2006: Thema "Schrift", 2008:Thema "Bewegung").

Anja Kempe begleitete ich als Kuratorin bei Ihrer Ausstellung "Säulenwald". Sie zeigte zwei Videos, und machte (ebenfalls) die Säulen des unteren Raumes zu ihrem Thema: Sie fotografierte die Säulen, vergrößerte sie und hängte die riesigen Banner mit den Säulen schräg in den Raum. Gigantisch, wie auch das Brüsseler Justizgebäude, das sie in ihrem Video vorstellte, zusammen mit einem Text von Sebald. Ich war froh, ihr, einer Preisträgerin der Kunststiftung Baden-Württemberg, diese Ausstellung zu ermöglichen und gleichzeitig dankbar, daß sie sich so kreativ mit unserem schönen Raum auseinandersetzte.

Bei dem Besuch auf Schloß Moyland 1998 begegneten mir auch die Arbeiten von Joseph Beuys. Sie beeindruckten mich tief.  Ich verabschiedete mich von der starken Farbigkeit, die mir eine Zeitlang viel Freude gemacht hatte, und mir in meiner Selbstwahrnehmung so hilfreich gewesen war.

Durch "Zufall" erhielt ich 9 große Sperrholzplatten, (Abfall nach  einem Messeabbau, 1,11m x 1,45 m)
und ich fing an, nachdem ich sie weiß grundiert hatte, darauf "zu spielen". Schon bald nach Beginn, 
(ich hatte die Fläche grundiert, beklebt und  mit wenigen Linien gegliedert), hatte ich den Eindruck, das Bild sei fertig.
Ich begann die zweite Platte zu bekleben, fand eine alte Japanlampe, die ich zerschnitt und einfügte, freute mich an dem idealen Rund
und war auch hier, schneller als erwartet, "fertig". Als zu einer Mitgliederausstellung eingeladen wurde,
wagte ich, diese beiden großen schweren und wenig bearbeiteten Bilder einzureichen und ich war
selber überrascht, wie stark sie auch oder gerade aus großer Entfernung waren.

                                                                   

 

Eine weitere kleinformatige Serie entstand. Daß Gelb, Licht(?) dazukam, ließ ich gerne zu.

Die eigenen Kinder, meine ersten "kreativen Produkte“, machten mir Mut und legten es mir sogar
als Verpflichtung auf, meine „Kunst“ auch in die Öffentlichkeit zu tragen.    

So gestaltete ich eine Einzelausstellung in Tauberbischofsheim im Rahmen der "KunstRegionBahn 2000"
(organisiert von Hans Graef), und lieferte das Material für diese homepage, die mein Mann
mit sachkundiger Hilfe unseres Sohnes, Andreas Walter, gestaltete.
 

Für die nächste Serie fand ich die Rückseiten von Zeichenblöcken. Auf diese Pappen klebte ich
verschiedene Seidenpapiere, sehr durchsichtig, diaphan, und "genoß die
Wirkung." ( Die Lektüre von Jean Gebser "Ursprung und Gegenwart", die ich begeistert
aufgenommen hatte, führte mich wohl hierher.) Doch ohne die schwarzen Anteile waren mir die
Arbeiten zu ätherisch. Ich brauchte noch die kräftigen schwarzen Akzente. und auch das Rot.
Inhaltlich schienen sie für mich so etwas wie ein Lebenslauf geworden zu sein.

 


 

Auf den großen Sperrholzplatten entstanden weitere Bilder. Daß das Packpapier und die Seidenpapiere (Verpackungsmaterial aus Schuhkartons), die ich verwendete,  mit der Zeit verblassen würden, nahm ich wahr und akzeptierte es, ja, wurde sogar neugierig, wie sich die Bilder im Laufe der Jahre verändern würden.

 

Als ich für den Kunstverein 2006 die Mitglieder- Ausstellung kuratierte mit dem Jahres-Thema "Schrift", fand ich, nach näherem Hingucken, daß tatsächlich in dem letzten  meiner großen Bilder Schrift zu finden war: Ich hatte wegen seiner passenden Brauntöne einen Teil eines früher mal ausrangierten verblichenen und eingerissenen Schutzumschlags um eine Rembrandtbiografie in mein Bild eingefügt. Nun schaute ich näher hin. Was stand denn darauf? Wenn ich das Bild einreichen wollte zur Ausstellung "Schrift" sollte ich das ja wohl wissen. Und so stieß ich an zentraler Stelle, zwischen "Augen" und bei Pfeilen auf folgendes Emblem

                                 


     

                             INRI----- ADAM+ TE+ DAGERAM----- AMRTET+ ALGAR + ALGASTNA   

In der Hoffnung, daß mir ein Sprachkundiger dieses übersetzen könnte, wandte ich mich an die Bibliothek in Wolffenbüttel. Von dort erhielt ich den Hinweis, es handele sich hier um einen Ausschnitt aus einer Rembrandt-Radierung,  die im Amsterdamer Rejksmuseum hänge.  Das darin enthaltene Kryptogramm sei noch nicht entschlüsselt, man vermute, es sei ein Anagramm.

So versuchte ich selbst, das Geheimnis zu lüften. Aber sogar mit Hilfe des Computers, der alle möglichen Umstellung der Buchstaben durchspielte, war kein sinnvolles Ergebnis zu finden.
Im Januar 2008 endlich fand ich im  Internet einen Beitrag der Wangener Zeitung mit einem  Hinweis auf eine Entschlüsselung im Jahr 1938:

        Rembrandt und ein Siegel aus Wangen

        WANGEN - Was hat Rembrandt, einer der größten Künstler aller Zeiten, mit
        Wangen zu tun? Viel mehr, als auf Anhieb zu vemuten wäre. Der Fund einer
        kleinen, mysteriösen Scheibe bringt ihn direkt mit dem Städtchen im Allgäu
        in Verbindung — und das 355 Jahre, nachdem er seine berühmte Radierung
        „Faust“ geschaffen hat.

        Von unserem Redakteur Sylvio J. Godon

        M. (Name der Redaktion bekannt) war ein Mädchen. Etwa zehn Jahre alt. So
        genau weiß sie das nicht mehr. Denn heute ist sie 39 und ihre Entdeckung
        liegt Jahrzehnte zurück. Doch sie hat das Erlebte nie vergessen: M.
        spielte allein im Garten des Elternhauses. Auf der Berger Höhe an einer
        Böschung zwischen zwei Bäumen grub sie, wie Kinder es so tun, ein Loch.
        Sie wollte einfach schauen, wie tief sie kommen würde. In etwa 50
        Zentimeter Tiefe stieß sie auf einen Gegenstand —und erschrak vor lauter
        Neugier und Entdeckerfieber.

        M. barg die kleine Scheibe und brachte sie stolz zu ihrem Vater. Der
        vermutete, dass es sich um eine Art Siegel handelte. Er holte Siegelwachs
        und probierte es mit seiner Tochter aus. Gemeinsam machten sie einen
        Abdruck, der Erstaunliches zu Tage förderte — ein Anagramm, also ein
        Wortspiel mit verdrehten Buchstaben. Der Abdruck im Wachs zeigte deutlich:
        Das Siegel besteht aus drei konzentrischen Kreisen. Im innersten, verteilt
        zwischen die Schenkel eines Andreaskreuzes, sind die Buchstaben „INRI“ zu
        erkennen, im zweiten Kreis die verschlüsselten, lateinisch anmutenden
        Worte „DAGERAM ADAM TE“. Im äußersten Kreis ist zu lesen
        „ALGAR ALGASTNA AMRTET“. Vater und Tochter konnten sich darauf
        keinen Reim machen und gingen der Sache nicht weiter nach.

        M. bewahrt das Siegel seit Kindesbeinen bei sich. Der Fund hat für sie
        etwas Geheimnisvolles, „etwas Gutes“, das sie nicht näher beschreiben
        kann. Dabei hätte sie es bewenden lassen können. Aber immer wieder fragte
        etwas in ihr: Wer hat das Siegel benutzt? Warum? Was bedeutet es? Wie alt
        ist es? Lange Jahre hat M. mehrfach versucht, die Worte mit Hilfe von ihr
        vertrauten Menschen aus ihrer süddeutschen Heimat zu entziffern —
        erfolglos. Seither lässt sie die Frage nicht mehr los: Was habe ich damals
        ausgegraben?
        Aber der Fund bleibt bis heute rätselhaft. Niemand kennt seinen Wert,
        sein tatsächliches Alter. Doch fest steht: Die Scheibe, vielleicht ein
        Siegel, eine Münze oder eine Art Stempel, ist sehr alt und lässt sich
        direkt mit Rembrandt in Verbindung bringen. Der Künstler hat 1652, also im
        Alter von 46 Jahren, eine Radierung geschaffen, die in der Kunstgeschichte
        zunächst unter dem Titel „Der Gelehrte“ firmierte, später dann als
        „Faust“ oder auch als „Der Alchemist“. In seiner typischen Art gestaltet,
        zählt das Blatt zu den bekanntesten unter den rund 300 Radierungen, die
        uns der Künstler im Laufe seines 63 Jahre währenden Lebens hinterlassen
        hat. Das Außergewöhnliche daran ist aber: Auf Rembrandts Kunstwerk ist in
        Form einer Lichterscheinung genau jene Scheibe abgebildet, die M. in ihrem
        Garten gefunden hat. Der „Alchemist“ Rembrandts schaut zum Fenster, an dem
        in der rechten Bildhälfte eine schemenhafte Gestalt steht, die einen
        Spiegel in der Hand hält. Das durch das Fenster hereinfallende Licht
        spiegelt sich darin und reflektiert die Scheibe mit dem Anagramm. Die
        Aufteilung des Siegels in drei ineinander liegende konzentrische Kreise
        und die darin zu lesenden Worte sind identisch mit der Wangener Scheibe.

        Nicht geklärt ist bislang, ob es das Anagramm schon vor Rembrandt gab, ob
        er es von irgendwoher kannte, oder ob er es selbst erfunden hat. In der
        Forschung gibt es dazu kaum Aussagen. Allerdings liegt eine
        Entschlüsselung vor, die auf einen gewissen Martin Bojanowski zurückgeht.
        Er will das Rätsel um die Worte in seiner Schrift „Das Anagramm in
        Rembrandts Faust“ (1938) gelöst haben, und der Göttinger Germanist
        Professor Albrecht Schöne hat es in seinem Faustkommentar von 1994 wie
        folgt gedeutet: „INRI“ steht für den Text der Kreuzestafel „Jesus
        Nazarenus Rex Judaeorum“ („Jesus von Nazareth König der Juden“), „DAGERAM
        ADAM TE“ steht für „Adam Te Adgeram“ („Mensch, ich (Christus), werde Dich
        hinführen“ (zu Gott)) und „ALGAR ALGASTNA AMRTET“ für „Tangas Larga Latet
        Am(o)r“ Berühren magst Du vieles, verborgen bleibt die Liebe“ (Gottes)).
        So sind laut Schöne die Worte des Anagramms eine Anspielung auf den 1.
        Korintherbrief, 13,2. Dort heißt es: „Und wenn ich weissagen könnte und
        wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis (...) und hätte der Liebe
        nicht, so wäre ich nichts“. Mit diesem Paulus-Zitat ist aber auch eine
        Kernaussage von Goethes „Faust“ angesprochen. Bemerkenswert scheint in
        diesem Zusammenhang, dass Goethe für die Ausgabe von 1790 den
        Kupferstecher Johann Heinrich Lips ein Duplikat der Rembrandt-Radierung
        als Titelblatt anfertigen ließ, allerdings spiegelverkehrt.

        Bildmaterial eingefügt von H.W.


        Barockspezialist Schöne hält es für kaum wahrscheinlich, dass es sich bei
        dem Fund um eine Münze oder einen Stempel handelt. „Gestempelt haben die
        Menschen im 17. Jahrhundert nicht“, sagte er gegenüber der „Schwäbischen
        Zeitung“. Allerdings könnte es sich bei der Scheibe um einen Prägestempel
        für Münzen handeln, vielleicht aber auch um Zierrat aus einem Möbelstück.
        „Vielleicht war es auch eine Art Geheimzeichen“, sagt er.
        Schöne ist sich nicht sicher, ob Rembrandt sich das Zeichen selbst
        „blanko ausgedacht“ hat. „Es könnte Vorlagen geben“, vermutet er. Auf
        jeden Fall hält er das in Wangen gefundene Zeichen für sehr bedeutsam.
        „Entweder ist es eine scherzhafte, geheimnistuerische Nachbildung nach
        Rembrandt, oder es ging ihm voraus und war eine Vorlage für den Künstler.
        Der Fund ist für die Rembrandt-Forschung hochinteressant, und es lohnt
        sich, ihm auf den Grund zu gehen.“

        In Wangen ist man bisher in der Frage, was es mit der Scheibe auf sich
        haben könnte, nicht weitergekommen. „Der Fundort gibt Rätsel auf“, sagt
        Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch. An dieser Stelle hat es keine
        historischen Bauten gegeben, aus denen die Scheibe stammen könnte.
        Allerdings wurde dort früher Abbruch aus anderen Häusern vergraben.
        Gemutmaßt wurde schon, das seltsame Stück könnte aus dem ehemaligen
        Kapuzinerkloster stammen, aber zu beweisen ist es nicht. Dass Rembrandt in
        Wangen war, ist übrigens ausgeschlossen. Der Künstler hat Holland nie
        verlassen.
        Renommierte Einrichtungen wie das Rembrandt-Haus (Museum Het
        Rembrandthuis) in Amsterdam oder „The Netherlands Institute for Art
        History (RKD)“ können spontan keine Auskunft geben, worum es sich bei der
        Scheibe und dem Anagramm handelt. Auch die Fragen, ob das Anagramm von
        Rembrandt selbst entworfen wurde, ob er es von irgendwoher kopiert hat,
        oder ob Siegel aufgrund seiner Vorlage entworfen wurden, bleiben offen.
        Die Beantwortung bedürfe umfangreichererer historischer Recherchen von
        Spezialisten, verlautet es aus beiden Häusern in ersten Stellungnahmen.

        So muss die Scheibe von Wangen vorerst ein Mysterium bleiben. Entdeckerin
        M. hofft freudig gespannt auf Neues zu ihrem Fund und hütet ihn derweil
        „wie einen Schatz“. Sie möchte selbst nicht an die Öffentlichkeit gehen,
        aber hat dem Wangener Stadtarchiv und der „Schwäbischen Zeitung“ ein Foto
        zur Verfügung gestellt. „Ich wäre froh, wenn sich das Rätsel lösen ließe“,
        erklärt sie.
        ————————————————————————————————
        (c) 2007 Schwäbische Zeitung           www.herma-walter.de

Daß mein Bild "zufällig" Träger einer so großen Botschaft war, beglückte und erschreckte mich zugleich.

In den Jahren 2007/8/9 ging es mir gesundheitlich sehr schlecht.   
Es erreichten mich auch in dieser Zeit die Einladungen des Künstlerbundes Schwäbisch Hall, zu dessen Mitgliedern ich seit 2005 gehöre. Ich war etwas deprimiert, keine Kraft zum Arbeiten zu haben.

Doch wieder erfuhr ich, dass für mich Kunst immer etwas mit Finden zu tun hat:

Die Reproduktion eines Bildes von de la Tour (Geburt Jesu mit Maria und ihrer Mutter Anna), die ich meiner Tochter zur Geburt ihres ersten Sohns ins Kinderzimmer gehängt hatte, stand zum Wegräumen im Nähzimmer. Ebenfalls lagen dort zwei Figuren, die ich vor vielen Jahren aus Fimo geformt hatte und deren eine damals von mir, die andere von meiner Schwiegermutter voller Begeisterung eingekleidet worden waren. Diese Kleidung mußte gewaschen werden. Meine Enkelin Mareike (6 Jahre alt) übernahm das Wieder-Einkleiden, wickelte die Liegende in einen kleinen handgewebtenTeppich, der einen Stammbaum 
darstellte und legte die eine Figur der anderen auf den Schoß. --- Das sah ich, rückte alles noch ein wenig zusammen und holte
 den Fotoapparat. Mein Mann baute mir ein Podest.  Mit dem Foto und den Figuren in einer etwas anderen Beziehung zueinander auf dem Podest nahm ich an der Ausstellung des Künstlerbundes teil.

 

                                                            
                                                                              Thema: „ Begleitet 1“ und „Begleitet 2“

 

Zu meinerGenesung trug entscheidend bei, daß ich täglich mit dem Hund und oft mit den Kindern meiner Tochter und immer mit dem Fotoapparat lange Spaziergänge zu einem See machte, der mir immer vertrauter und zu "meinem" See wurde. Und ich merkte, wie mein Sehen weiter gesch

Natürlich machte ich nicht nur diese Aufnahmen vom immer gleichen Standpunkt aus, sondern entdeckte viele Schönheiten am See und an den zu- und wegführenden Bächen.

         
         

Das "Schönheiten -Sammeln" wurde mir zum Höhepunkt meiner Tage und ich dehnte es aus auch auf die Baustellen, die in diesem Bereich für eine Umgehungsstraße sorgen sollten.

  


In einem Abbruchhaus in Speyer fand ich diese Spuren.

Kleinste Schönheit entdeckte ich an alten, verblühten Rosen, deren Stacheln.
Ich löste diese von ihren Stengeln ab, reinigte sie und "spielte" mit ihnen:

 

 

Im Frühjahr 2010 lud unser Freund Gunter König mich ein, meine Arbeiten  in seinem  „Kunstraum S.A.L.Z.“ auszustellen. Ich stellte die Ausstellung unter das Thema "Im konzentrierten Spiel Energie erleben" und bot eine Auswahl aus 20 Jahren Kunstschaffen an. Obwohl die Ausstellung über die gut besuchte Vernissage hinaus nur wenig wahrgenommen wurde, war sie für mich ein Erfolg: Ich lernte (via Internet!) eine junge Theologin aus Tübingen, Frau Dr. Anne Käfer,  kennen, die sich mitten in ihrem Vikariat befand, kurz vor ihrer Habilitation stand und die trotzdem gerne bereit war, mit einem Vortrag in meine Ausstellung einzuführen.
Das Thema ihrer Dissertation „'Die wahre Ausübung der Kunst ist religiös'. Schleiermachers Ästhetik im Kontext der zeitgenössischen Entwürfe Kants, Schillers und Friedrich Schlegels“,
 die in Tübingen erschienen war, hatte mich auf sie aufmerksam werden lassen. Schon allein um dieser außerordentlichen Begegnung willen hat sich für mich „der Aufwand gelohnt“.

Als mich während dieser Ausstellung die Nachricht aus meinem Künstlerbund  erreichte, ich könne im Herbst 2010  in mehreren  Räumen des Crailsheimer Spitalmuseums  ausstellen, griff ich sofort freudig zu. Und ich fand dort in der Kapelle  einen idealen Ausstellungsort für meine großformatigen Collagen.
Frau Claudia Scheller-Schach (MA) führte einfühlsam in die Ausstellung ein.

An der Ausstellung des Künstlerbundes im Oktober 2010 (Thema „ZWEI“) nahm ich  mit zwei 
Collagen und einem
  Holzdruck teil.

                                          

            o:T. (Chormusik), Collage auf Sperrholz, 104 x 154,                          o. T., Holzdruck,

 
zur Mitgliederausstellung des KV Schwäbisch Hall im Dezember 2010
  reichte  ich erstmals Fotografien ein,
in der Kunstnacht 2011 wieder Collagen.

Auf der Mitgliederausstellung des Künstlerbundes 2011 zum Thema Spiegelung zeigte ich diese Collage

 
                    Spiegelung, 105x100 cm, Collage, 2010

und diese Fotografien

       


 
An der jurierten Mitgliederausstellung des KV Schwäbisch Hall 2012 zum Thema "Verweile doch, du Augenblick" zeigte ich die Collage "Beziehung".
 

Der Künstlerbund löste sich auf.

Im Kunstverein beschlossen wir, in der  nächsten Mitgliederausstellung 2014 den Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, eines ihrer gesammelten Werke und nicht die eigenen Arbeiten zu zeigen.

Ich arbeitete weiter, und es entstanden diese Collagen:

             

Meist arbeitete ich parallel an 2, 3 oder 4 Bildern:

         

 

                    

                       

 

 


Ich entdeckte für mich auch das quadratische Format, zunächst klein (25x25), später auch größer (100x100).

           
             


  Und ich  realisierte erstmals, was ich schon lange vorhatte:  Das Werden eines Bildes wollte ich 
mit Hilfe von Fotos festhalten:

                  

Hafeneinfahrt 1, Collage/Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100, 2014                Hafeneinfahrt 2, Collage/Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100, 2014

                   (7. Febr. - 27. März 2016 im KV SHA, Galerie am Markt,  im Rahmen der Mitgliederausstellung "Unterwegs" zu sehen)

An der Mitglieder- Ausstellung  2016 mit dem Thema “Unterwegs“ nahm ich mit diesen beiden Bildern teil. (Ich war nun 70 Jahre alt, und mein „Lebensschiff“ und das meines Mannes schienen  in den Hafen einzufahren. Jedes hatte seine eigenen Erfahrungen im Schleppnetz.)

   Danach entstanden diese 3 Arbeiten.  (Gefunden hatte ich den darin verarbeiteten  Reifen bei einem Spaziergang mit unserem Sohn.)

Das Bemühen, meditativ dem Geheimnis des Lebens näher zu kommen, mein Leben zu fokussieren auf die Mitte hin, (die drei Mitten), fand ich darin.

In meinem Bilderzimmer war nun bald kein Platz mehr. Vieles konnte weggeworfen werden,  Anderes wurde wiederentdeckt. 

So fand ich beim Aufräumen des Bilderzimmers auch diese beiden Bilder. Sie waren 1996 entstanden, in einer Zeit (50 Jahre nach Kriegsende) als man sich der Gräuel des Naziregimes und der Mühsal, des Leids und der Notwendigkeit einer Umorientierung wieder sehr bewusst wurde.  In diesem Jahr starb auch meine Schwiegermutter,  und unsere Tochter Sabine rettete den Briefwechsel und die Fotografien ihrer sehr geliebten Großmutter. Ein großer Teil der Collagen stammt aus  den zerfallenen Fotobüchern.

Ich nannte die Bilder   „Phönix 1“ und „Phönix 2“.  War es Zufall,dass ich diese Bilder  wiederentdeckte, als bei mir die Diagnose Brustkrebs gestellt wurde?  In meiner Biografie sollen sie jetzt ihren Platz finden.

 

                            
                             Phönix 1, Collage, 70x100 cm, 1996                                                                                        Phönix 2, Collage, 70x100 cm, 1996

Während der Zeit meiner Brustkrebserkrankung entstand nun dieses Bild:

                                                               
                                                              
                        "o.T." Collage auf Sperrholz, 100x100 cm, Juni 2016

Ein altes Bild von 2010 überarbeitete ich und zeige hier beide Versionen:

                       

                  

               

                
                o.T., Collage auf Leinwand, 120x80, 2016


                                                                                                                                

Ich möchte diesen Bericht nicht (wenn auch nur vorläufig) schließen, ohne meinem Lebensgefährten,
Hartmut Walter, zu danken. Er ermöglichte durch sein Sein und durch seine Arbeit als Pädagoge meine beiden kreativen Phasen, die mit den Kindern und die mit der Kunst, indem er mich von finanziellen Sorgen befreite, mir Muße ließ für mein Tun und mich durch seine anteilnehmende Aufmerksamkeit immer unterstützte.

 

 

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